Kunscht isch gäng es Risiko
6. September – 5. Oktober 2008
Vernissage: 5. September, 19 Uhr
Künstler/innen: Zanny Begg, Marina Belobrovaja, Critical Art Ensemble, Barbara Gschwind, Albert Heta, Huth&Frey, Alfredo Jaar, Lukas Pusch, The Right Reverend, Oliver Ressler, Katja Schenker, Roman Signer, Joël Verwimp, Lars Vilks.
Der Schweizer Liedermacher Mani Matter warnt in seinem Song Eskimo vor dem Risiko der Hingabe. In seiner Geschichte kommt einer ums Leben, weil er sich in seine Höhle zurückzieht, um sich ganz dem Cembalo-Spiel hinzugeben. Er hört nicht, wie ein Eisbär in sein Zelt schleicht, um ihn zu töten. „Kunscht isch gäng es Risiko," so der Kommentar. Worin aber liegt das Risiko in der Kunst denn genau?
Wer Matters Liedtext genau zuhört, stellt fest, dass nicht notwendig die Obsession, die allen Gefahren gegenüber taub ist oder sein will, am Anfang der Tragödie steht. Auslöser des Unsterns scheint vielmehr der Wunsch nach absoluter Selbstbestimmung, nach eigenen Idealen. Der Eskimo hat noch nie Cembalo gespielt, glaubt aber ein Meister zu sein. Stirbt der Mann also nicht zufällig, sondern muss er getötet werden, weil er das Unmöglich wagt – radikale Autonomie (durch Kunst), ohne Absicherung, ohne Bedenken, ohne Gedanken an ein Risiko zu leben? Stellt er eine Gefahr dar, weil er keine Angst kennt, oder gefährdet er sich selber, weil er die Risiken seines Handelns, den prekären Handlungsraum des Künstlers unterschätzt? Wieso nennt Matter den tragischen Helden überhaupt Künstler?
Die Ausstellung Kunscht isch gäng es Risiko will verschiedene Momente des Risikos in der Kunst durchleuchten. Ein Teil der Arbeiten setzt sich mit der Frage auseinander, wann Künstler und Künstlerinnen für die Gesellschaft ein Risiko darstellen, bzw. wann sie von außen als solches deklariert werden. Andere Arbeiten dokumentieren eine künstlerische Praxis, die vom Riskieren der eigenen sozialen oder physischen Existenz handelt und/oder die Provokation und Produktion von Risiken geradezu zum künstlerischen Medium macht. Andernorts soll augenscheinlich werden, wie die Kunst als Experimentier- und Lebensfeld selber Unsicherheiten, Verunsicherungen oder Anfälligkeiten in der Persönlichkeit des Künstlers evoziert. Eine letzte Gruppe testet Modelle des Versicherns und der Sicherung oder der Solidarisierung gegen Risiken durch künstlerische Aktionen.
Rahmenprogramm:
An der Vernissage am 5.9. wird die Opernsängerin und Securitas-Wächterin Anna Vichery Opernexzerpte zum Thema Risiko, angesiedelt zwischen Verzweiflung und Glück, vortragen.
Ebenfalls an der Vernissage werden Huth&Frey ihre streng geheimen, risikoreduzierenden Massnahmen für die Öffentlichkeit zur Anwendung bringen.
Am 6.9. diskutieren Lars Vilks, Albert Heta, Prof. Dr. Schneemann, Kunstgeschichte, Universität Bern. Zum Künstler als soziales Risiko und der Kunst als prekäre Praxis. In englischer Sprache. 17 Uhr
Am 19.9. werden in einer Filmnacht zusätzliche Videoarbeiten der teilnehmenden, sowie eingeladener Künstler und Künstlerinnen zum Thema Risiko, Widerstand und politische Aktion. Wir freuen uns ganz besonders, den Film Strange Culture, 2007, erstmals in Europa zeigen zu dürfen. Regie führt die mehrfach ausgezeichnete Amerikanerin Lynn Hershman Neelson. Der Film handelt vom Justiz-Fall Steven Kurtz', Künstler des Critical Art Ensemble. Kurtz wurde aufgrund seiner künstlerischen Praxis 2004 des Bio-Terrorismus und der Tötung seiner Frau angeklagt; sein Fall ist noch nicht abgeschlossen. In der Hauptrolle ist Tilda Swinton zu sehen. Genauere Informationen zur Filmnacht werden vor dem Anlass noch einmal versendet.
Bar 19 Uhr, Film 19.30 Uhr
Mit freundlicher Unterstützung der Ernst und Olga Gubler-Halblützel Stiftung und der Ernst Göhner Stiftung. Wir bedanken uns für das Technik-Sponsoring bei der Hochschule der Künste Luzern (HSLU).
1/3
prev/
next
Critical Art Ensemble